Ist IOTA besser als Blockchain?

Blockchain oder IOTA, was ist die bessere Technologie? Diese Frage stellt sich zur Zeit der internationalen Industrie. Die Blockchain ist den meisten mittlerweile durch Kryptowährungen wie Bitcoin ein Begriff. Bei der neuen IOTA-Technologie wissen viele noch nicht, was sich wirklich hinter der Innovation verbirgt und wo die Vorteile liegen. Kurz vor der Hannover Messe Industrie 2018 beantwortet Ihnen IOTA-Experte Udo Würtz, Fujitsu Distinguished Engineer, Business Development Director EMEIA und Chief Evangelist Data Center Business EMEIA bei Fujitsu die wichtigsten Fragen zum Thema IOTA. Wenn Sie IOTA live erleben wollen, schauen Sie sich unseren einzigartigen Show Case auf der Hannover Messe Industrie, Halle 7 – Stand E16, an. 

IOTA ist aktuell ein heiß gehandeltes Thema in der internationalen Industrie. Was ist IOTA überhaupt?

IOTA ist eine Technologie, die im Gegensatz zur Blockchain auf der Tangle basiert. Die Blockchain bildet Transaktionen in einer Kette ab und IOTA nutzt dafür ein ganzes Netzwerk – die Tangle. Alle Transaktionen sind in der Tangle miteinander verknüpft. Das birgt viele Vorteile und erweitert den Anwendungsspielraum der Technologie erheblich. Viele Kunden fragen uns zunächst nach einer Blockchain Lösung, stellen dann aber fest, dass IOTA viel besser zu ihren Anforderungen passt. Das trifft umso mehr zu, wenn es um industrielle Größenordnungen geht.

Was sind denn die Vorteile von IOTA gegenüber der Blockchain?

Da gibt es eine ganze Reihe von Faktoren, die IOTA interessant machen. Zusammengefasst sind es 5 Bereiche, in denen IOTA die Blockchain klar schlägt:

  1. Die Transaktionsrate
  2. Die Skalierbarkeit
  3. Die Realisierbarkeit von Micropayments
  4. Die Effizienz
  5. Die nachweisbare Manipulationssicherheit

Die Transaktionsrate

Ein Problem der Blockchain, so wie sie originär für Bitcoin entwickelt wurde, ist einmal die sehr niedrige Transaktionsrate. Wenn man die Sicherheitsvorkehrungen so hochtreibt, wie es beispielsweise bei der Bitcoin-Applikation notwendig ist, liegen die Transaktionsraten der Blockchain im niedrigen zweistelligen Bereich. Für viele Anwendungen reicht das einfach nicht aus.

Bei IOTA ist es genau umgekehrt: Die Transaktionsrate steigt extrem an, je mehr Anwender dieses System nutzen. Außerdem ist die Zeit bis zur Bestätigung der jeweiligen Transaktion bei IOTA viel geringer. Bei Blockchain gibt es den Konsensus, das heißt, alle müssen den gleichen Stand haben und das wiederum ist bei IOTA so nicht der Fall. Der Konsensus kostet entscheidend viel Zeit.

Die Skalierbarkeit

Mit steigender Transaktionsrate steigt auch die Skalierbarkeit. Bei IOTA skaliert das System immer weiter: Je mehr Teilnehmer und Transaktionen das System hat, desto schneller wird es. Und noch wichtiger: Die Latenz, also die Zeit zwischen dem Stellen einer Transaktion und der Validierung, geht im Grunde gegen 0, sobald man eine gewisse Größenordnung erreicht hat.
IOTA übertrumpft Blockchain in der Skalierbarkeit.

Micropayments

Wenn man es als Zahlungssystem sieht, ist IOTA eine echte Micropayment-Währung. In der Regel spricht man bei IOTA immer von Mega IOTA, also 1.000.000 IOTAs. In Euro umgerechnet entspricht demnach 1 IOTA bei einem angenommen Kurs von 2 Euro etwa 0,000002 Euro. Selbst bei einem absurd hohen Kurs von angenommenen 20.000 Euro wären es nur 0,02 Euro. Das macht es so interessant: Die niedrige Latenz gepaart mit der Möglichkeit auch Kleinstbeträge transaktionsfrei zu zahlen.

In der Blockchain, mit beispielsweise der Anwendung Bitcoin als Zahlungssystem, gibt es das Problem der Miningprozesse. Das sind vereinfach gesagt im Grunde externe Rechenzentren, welche neue Blöcke generieren und anstehende Transaktionen einfügen. Dafür bekommen diese einen sogenannten „Financial Reward“, beispielsweise die vom Absender der Transaktion festgelegte Transaktionsgebühr. Je höher diese ist, umso attraktiver ist die Bearbeitung der Transaktion für den sogenannten Miner und umgekehrt. Dadurch werden letztlich kleinste Zahlungsbeträge durch hohe Transaktionsgebühren unmöglich gemacht. Das entfällt bei IOTA komplett: Jeder ist Teil des Netzes und man validiert andere automatisch mit. So ist es möglich, auch Kleinstbeträge abzuwickeln.IOTA ist optimal für Micropayments geeignet.

Die Effizienz

Das Problem der Kunden mit Blockchain ist, dass die Technologie aufwendig ist, was die Computing Power und damit einhergehend die Sicherheitsgewährleistung angeht. Wenn man die Blockchain Technologie im eigenen Haus einsetzen möchte, wird es schwer bis unmöglich, das Konzept der Miner, was beispielsweise für Bitcoin eine extreme Sicherheit gewährleistet, in gleichem Maße abzubilden.

Da braucht es konzeptionell immer mehr Rechenleistung. Der Stromverbrauch für das Bitcoin Mining liegt momentan beim Gesamtjahresstromverbrauch für Argentinien – das ist unglaublich. Und das ist für Unternehmen so nicht abbildbar. IOTA ist da deutlich smarter, weil man die ganzen Miningprozesse nicht braucht

Die Sicherheit

Wenn man Blockchain nutzen möchte, hat man somit immer folgendes Problem: Man kann die Blockchain nur wirtschaftlich und mit hoher Transaktionsrate einsetzen, wenn man die Security vernachlässigt – sprich: die Rechenleistung „runter schraubt“. Wenn man also die Sicherheit runterschraubt, um die Transaktionsrate hochzuschrauben, ist die Blockchain modifizierbar. So kann man nicht nachweisen, dass Daten nicht manipuliert worden sein können. Im Grunde ist die Methode nur dazu geeignet, eine Manipulation von außen zu verhindern – also dem Unternehmen die Gewissheit zu geben, dass andere die internen Daten nicht verändern können, da sie keinen physischen Zugriff auf die eigentlichen Systeme haben. Der Besitzer der Blockchain kann sie jedoch theoretisch mit neuen Daten neu berechnen und somit manipulieren. Das ist ein Dilemma für Unternehmen, welche die Blockchain für extern auditierbare Anwendungen integrieren wollen und die absolute Unveränderlichkeit der Daten nachweisen müssen.

Heißt das, die Blockchain-Technologie ist gar nicht so sicher, wie alle denken?

Sie ist zumindest nicht für jeden Fall geeignet, in dem Manipulationen ausgeschlossen sein müssen. Ich kann zwar verhindern, dass jemand Externes meine Blockchain manipuliert, kann aber selbst nicht beweisen, dass ich nichts manipuliert habe. Wenn mein System aus irgendeinem Grund geprüft wird, habe ich somit keine rechtssichere Beweiskraft.

In der Zukunft könnte IOTA Unternehmen helfen, Ihre Daten zu verifizieren. Am einfachsten wäre es, wenn ein Unternehmen mit großer Rechenleistung, wie beispielsweise Fujitsu, als Trusted Instance fungiert. Die Trusted Instance hält eine Kopie der Blockchain des jeweiligen Unternehmens und bekommt von diesem einmalig die Basis Blockchain gestellt – den sogenannten Genesis-Block. Alle Transaktionen finden dann sowohl in der Unternehmens Blockchain als auch in der Blockchain der Trusted Instance, also bei Fujitsu, statt. Bei einer Überprüfung, muss der Auditor nur die beiden Blockchains miteinander vergleichen. Sind beide Transaktionshistorien gleich, hat keine Manipulation stattgefunden.

Ein ganz wichtiger Aspekt dabei: Stichwort Digitalisierung. Neue Technologien werden für neue Anwendungsfälle konzipiert, bei denen das Unternehmen selbst keine verbindliche Aussage über das zu erwartende Transaktionsvolumen machen kann. Und wie soll man da eine Dienstleistung und deren Vergütung definieren, beziehungsweise abrechnen?

IOTA hilft bei der praktischen Umsetzung einer solchen Zusammenarbeit. Da die Latenz bei IOTA so niedrig ist, kann jede einzelne Transaktion automatisch mit beispielsweise einem IOTA bezahlt werden.

Könnte IOTA also zukünftig das Rechnungswesen ersetzen?

In vielen Fällen absolut. Das Beispiel der Trusted Instance-Bezahlung macht das deutlich: Im Grunde entfällt da das komplette Rechnungswesen, denn die Zahlung erfolgt sofort. Der Vorgang würde dann automatisch an ein Fujitsu Clearing Center gehen. Das wiederum könnte den anderen Systemen sagen, dass die Transaktion schon bezahlt wurde und damit valide ist. Es gibt kein Rechnungswesen, keine Rechnungsstellung und kein Mahnwesen. Das braucht man alles nicht, denn das Geld ist einfach da.

Was macht IOTA für die Industrie so interessant?

Es ist die Kombination aus den oben genannten 5 größten Vorteilen von IOTA. Zudem ist IOTA ja wesentlich mehr als ein Bezahlsystem. Unternehmen können die Tangle-Technologie adaptieren, damit ihre IoT Anwendungsfälle unterstützen, natürlich auch Bezahlvorgänge integrieren, alle Transaktionen gleichzeitig rechtssicher dokumentieren und vieles mehr. Es geht nicht nur darum, dass ein Roboter einem anderen Roboter bestimmte Leistungen über IOTA bezahlt. Das System steuert auch bei Bedarf den Roboter simultan. Es sagt ihm: Dreh dich jetzt nach rechts, hol dieses Paket und empfange und bezahle ein neues Firmware-Update heute Nacht um 2 Uhr. Zudem können Unternehmen all Ihre Produkte auf der Basis von IOTA miteinander verbinden und steuern, ein Thema für die Industrie 4.0. Das ist eine echte Alternative zu Cloud-Lösungen. Dazu steht unter IOTA beispielsweise das sogenannte Masked Authenticated Messaging (MAM) zur Verfügung. MAM erlaubt beispielsweise einen verschlüsselten Datenstrom auszusenden und darauf zuzugreifen. Zudem gewährleistet MAM Integrität, Datenschutz und Datenzugriffsmanagement. Aufgrund dieser Eigenschaften ist es einer der Treiber für die IOTA-Adoption durch die Industrie.

IOTA lässt sich vielfältig einsetzen.

Wie stellst du dir unsere Zukunft mit IOTA vor?

Ich kann mir vorstellen, dass Micropayments uns unseren Alltag erleichtern. Beispielsweise stehen wir vielleicht schon bald mit unserem Auto an der Ampel und laden induktiv die Energie neu auf, was über IOTA automatisch und ad hoc bezahlt wird. Generell wird die integrierte IoT Kommunikation weiter zunehmen und es wird spannend sein, zu sehen, was die IOTA Technologie uns noch alles ermöglicht.

Vielen Dank für das Interview, Udo!