Dr. Joseph Reger

Als Chief Technology Officer ist Dr. Joseph Reger dafür verantwortlich, aktuelle und künftige IT-Trends aufzuspüren, von denen Kunden am meisten profitieren, und diese in die Unternehmensstrategie einzubinden.

Wie geht ein CTO über eine Messe wie die CeBIT? Was beschäftigt ihn und wie erlebt er so eine Messe im Wandel der Zeiten? Darüber sprachen wir Dr. Joseph Reger in einem Interview.

Hallo Herr Dr. Reger, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben für das Interview.

Sie sind CTO eines internationalen IT-Unternehmens, da ist die CeBIT sicherlich eine der weltweiten Pflichtveranstaltungen in Ihrem Kalender. Die wievielte CeBIT ist das für Sie?

Diesmal ist das die 23te CeBIT für mich, ohne Unterbrechung.

Was begeistert Sie an der CeBIT am meisten und was ist Ihnen in all den Jahren in Erinnerung geblieben?

Die CeBIT ist eine Veranstaltung der IT-Industrie also lebt die CeBIT mit der IT-Industrie. In anderen Worten ändert sich die CeBIT mit der IT-Industrie. Ich hab alles Mögliche erlebt während dieser Jahre. Die extreme Consumer-Orientierung hin zur Kommunikation als die Handys alles dominiert haben und die Telekommunikationsunternehmen hier waren und die größten Hallen füllten. Bis jetzt hin zu einer Fachmesse. Das spiegelt glaube ich ganz gut wieder, was in der IT-Industrie zurzeit stattfindet – eine extreme Professionalisierung und eine Zuwendung zu Rechenzentren und unternehmensweiten Abläufen sowie Problemstellungen. 

Wie die IT-Industrie, hat Fujitsu sich auch geändert. Wir wenden uns diesen Themen auch stärker zu, dass kann man in aller Pracht an unserem Stand hier in Halle 7 sehen.


Die übergeordneten thematischen Schwerpunkte der CeBIT sind Datability & Big Data, Cloud, Social Business und Mobile. Was beinhaltet der Begriff Datability für Sie?

Ja genau, also ich muss eine eigene Interpretation finden weil keine offizielle Interpretation des Wortes existiert.

Meine eigene Interpretation ist, dass Datability aus zwei Teilen zusammengesetzt ist. Der erste Teil sind Daten, das verstehen wir und wissen um ihre Bedeutung. Der zweite Teil ist Ability oder Capability vielleicht. Er zeigt, dass es nicht reicht, mit der Datensammlung zufrieden zu sein. Man muss auch dafür sorgen, dass die Informationen, die darin verborgen liegen, auch zutage gefördert werden. Das muss man tatsächlich tun. Da kommen die Methoden der Big Data-Analytics ins Spiel.

Fujitsu zeigt auf dem Stand die Fähigkeiten zum Speichern der Daten mit neuen Speichersystemen und kräftigen Servern, die diese Datenmengen auch verarbeiten können. Aber wir zeigen gleichzeitig auch die algorithmische, analytische Seite dazu. Wie man mit Big Data-Datenbeständen umgehen kann, mit welchen Tools und welchen Analysemethoden man daraus dann vernünftige Informationen  ziehen kann.

Beide Seiten sind wichtig und vielleicht spiegelt Datability diese in einem Wort wider.

Die anderen Themen, die wir gerade angesprochen haben, Cloud, Social Business und Mobile. Was bietet Fujitsu zu diesen Themen?

Also es ist wichtig zu beobachten, dass diese Themen nicht ganz neu sind. Was neu und spannend ist, ist deren Zusammenspiel. Auch wenn wir in manchen Bereichen vielleicht nicht so tätig sind hier in Europa, zum Beispiel im Bereich Social Media, Social Media Services und Social Business. Aber unsere Muttergesellschaft in Japan tut das im dortigen Markt sehr wohl.

Hier in Europa streichen wir eher unsere Fähigkeit heraus, diese Themenbereiche miteinander verweben zu können. Es gibt mannigfaltige Verbindungen: Social Media produzieren einen großen Teil der Big Data-Datenbestände. Die Sensoren und das Internet der Dinge, die ganze Umweltwahrnehmung in Form von Sensoren führen auch wiederum zu großen Datenbeständen, die miteinander vermengt und verstanden werden müssen.

Ohne die mobilen Netze ist ein großer Teil der heutigen IT-Landschaft nicht denkbar und daher ist hier ein verstärktes Engagement notwendig.  Fujitsu ist ja in Japan ein anerkanntes und auch als solches wahrgenommenes Informations- und Kommunikationstechnologie-Unternehmen (IKT). Dieses Jahr positionieren wir uns auf der CeBIT schon als IKT-Unternehmen. Teilweise sind unsere Broschüren schon so verfasst und gedruckt. So müssen wir uns auch dem Kunden darstellen. Das werden wir in der Zukunft noch verstärkt tun.

Was ist aus der Sicht eines CTOs der wichtigste Trend oder die Innovation hier auf der Messe?

Ich hatte noch nicht soviel Zeit herum zu gehen und mir anzuschauen, was die anderen so bieten. Die maßgeblichen Themen sind nicht neu, aber das nimmt den Reiz nicht weg, im Gegenteil. Manche Themen brauchen eine gewisse Zeit, um zu einer Reife zu gelangen und dann auch einen Markt zu finden.

Es gibt dafür ein Beispiel: Unser PalmSecure Venenscanner ist wahrhaftig nicht das erste Mal auf der Messe. Es ist seit geraumer Zeit ein Thema. Aber dieses Jahr war der Durchbruch da, also das Interesse war immens, da es auf fruchtbaren Boden fällt. Die ganzen Sicherheits- und Datenschutzbestimmungen und die damit zusammenhängende Problematik hat eine Aufmerksamkeit erzeugt. Die Kunden sind extrem aufnahmebereit für das Thema, sodass die einfache Integration einer Venenerkennungs-Software in einen Laptop auch Aufmerksamkeit bekommt.

Also offensichtlich ist die Zeit reif geworden für diese Technologie.

Das Thema genießt enorme Aufmerksamkeit. Nach diesem Interview kommt ein deutscher Autohersteller zu uns, um darüber zu reden, wie diese Technologie dort eingesetzt werden kann. Daran sieht man, wie die Kreise immer größer werden. Nicht nur IT, nicht nur Authentifizierung und Autorisierung und Zugangskontrolle zu IT-Systemen sondern auch zu Gebäudetechnik oder auch zu PKWs in der Zukunft.

Da sehen wir, ein sehr sehr spannendes Thema kann auch dadurch entstehen, dass Markterwartung und Marktaufnahmefähigkeit und Reifegrad einer Technologie zusammen finden.

Das bringt mich zu einem anderen Schlagwort, das Thema „Internet der Dinge“: Haben Sie persönlich zuhause schon einen Kühlschrank, der mit Ihnen spricht? Der Ihnen einen fertigen Einkaufszettel ausdruckt? Wird es dies in der Zukunft geben?

Sowas wird es sicherlich geben, die Sinnhaftigkeit oder Nützlichkeit ist eine andere Diskussion. Also einen intelligenten Kühlschrank hab ich nicht, aber die Glühbirne, die ich auf dem Fujitsu Forum letztes Jahr gezeigt habe, ist tatsächlich bei mir in Betrieb zuhause. Und wenn ich sie noch brauche für den einen oder anderen Vortrag, schraube ich sie raus und nehme sie mit. Anschließend schraube ich sie wieder ein. Also in der Tat, bei mir zuhause gibt es schon das Internet der Dinge.

Wenn jemand Sie fragen würde: „Warum sollte ich zur CeBIT nach Hannover fahren?“ – was würden Sie ihm antworten?

Erstens mal muss nicht jeder zur CeBIT nach Hannover fahren, weil es eine Fachmesse geworden ist. Aber alle, die in der IT irgendwelche Aufgaben wahrnehmen, die mit der Zukunft in Berührung kommen oder damit zu tun haben, denen empfehle ich, hierher zu kommen. Und ich kann mir momentan noch keinen Job in der IT vorstellen, der nichts mit der Zukunft zu tun hat.  

Reshaping ICT, Reshaping Business and Society! In unserem CeBIT-Blog berichten wir im Vorfeld und LIVE aus Hannover über innovative Fujitsu-Aktivitäten. Entdecken Sie mit uns Highlights rund um Big Data, Cloud, Social Business und Mobile.

CeBIT 2014