Haben Sie schon einmal ein besonders leckeres Gericht fotografiert und es auf Facebook gepostet – und warum? Wir leben heute in einer Welt, in der wir unser Leben online mit anderen teilen können und teils müssen – ob wir wollen oder nicht. Voller technischer Möglichkeiten steckt diese digitalisierte Welt.

Nur manchmal wissen wir nicht, was wir mit ihr eigentlich anfangen sollen. In ihrer Keynote „Die Zukunft gestalten: Menschen, Technologien und eine Welt voller Möglichkeiten“ beleuchtete Dr. Genevieve Bell, Vice President, Corporate Strategy Office and Intel Fellow, Intel,  die komplizierte Beziehung zwischen Mensch und Technologie im Hinblick auf unsere Zukunft, die keineswegs ein „unbeschriebenes Blatt“ sei.

Für die gebürtige Australierin Dr. Genevieve Bell hinterließ ihre Kindheit einen starken Impuls: Das Verlangen, Menschen und ihr Streben sowie deren Wünsche zu verstehen. Bis zu ihrem Berufsleben bei Intel blieb der Wunsch, der komplexen Beziehung zwischen Mensch und Technologie auf den Grund zu gehen, bestehen. In welche Dimensionen wir von der technischen Seite aus gesehen vorstoßen, prognostizierte Gordon Moore bereits 1965. In einer Fachzeitschrift veröffentlichte er einen Artikel mit den Worten: In zehn Jahren werden wir 65.000 Transistoren auf einen Chip quetschen. Gordon Moore behielt mit seiner Prognose Recht und gründete drei Jahre nach der Veröffentlichung den Unternehmensgiganten Intel.

Bitte warten Sie einen Moment, ich starte Ihre City neu

Was 1965 als unvorstellbar galt, ist heute längst Realität. Mit rasender Geschwindigkeit verändert sich alles um uns herum und verschmilzt zu einer digitalen Gegenwart, die Dr. Bell als „chaotisch und unendlich groß“ beschreibt. An ihrem Geburtstag ging Dr. Genevieve Bell zur Bank und der Automat gratulierte ihr – als erster an diesem Tag, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Wie viel weiß unsere Bank wirklich über uns? Dem Megatrend „Big Data“ begegnete Dr. Bell in einem Taxi. Sie stieg ein, sah fünf große Displays im Cockpit. Ob sie es eilig hätte, es gebe ein Problem. Das Zahlsystem spreche nicht mehr mit dem Navigationsgerät. Der Taxifahrer startete das Auto neu. Wie arbeiten demzufolge „SmartCities“? Bitte warten Sie, ich starte Ihre City neu?

Anhand dieser Beispiele zeichnet sich deutlich ab, was Dr. Genevieve Bell meint. Zum einen wissen wir nicht immer, was wir mit dieser veränderten Welt anfangen sollen und zum anderen gehört unsere Vergangenheit als ein wichtiger Teil von uns zu unserer Zukunft. Diese Zukunft dürfen wir uns nicht als leeres weißes Blatt Papier vorstellen. Es steht bereits Text darauf, der uns zu dem macht, was wir heute sind. In einer digitalisierten Welt, einer „Human Centric Innovation“, kommt noch ein zweiter Aspekt dazu, der gigantische Dimensionen annimmt: Daten.

Wenn der Kühlschrank mit der Waschmaschine „tratscht“

Daten „verschlingen“ unsere Welt und sie gewinnen immer mehr an Bedeutung. Mit dem Internet der Dinge, mehr Services, mehr Sensoren und neuen Netzwerken kommt Vieles auf uns zu. Wir müssen all das managen und uns in dem Zuge die Frage der Sicherheit stellen. Alles arbeitet mit allem und jedem jederzeit zusammen und den Begriff „privat“ definiert jeder anders. In einer von Daten geprägten Welt kommuniziert der Kühlschrank über ein Netzwerk mit der Waschmaschine und den übrigen Haushaltsgeräten. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? „Tratschen“ unsere Geräte über uns? Hinter unserem Rücken?

Zwischen uns und den Geräten besteht nicht länger nur eine reine „Service-Beziehung“. Zu Testzwecken zog eines dieser „SmartDevices“ mit Namen Alexa bei Dr. Genevieve Bell ein. Einem „leblosen Objekt“ für etwas zu danken, empfand sie als „albern“ und ließ es – um eine halbe Stunde wieder für einen Service Danke zu sagen. Sofort käme der Gedanke an die Sicherheit wieder hoch. „Services“ lernen uns auf Basis unserer Gewohnheiten kennen und arbeiten plattformübergreifend. Sie „kennen“ uns – wir müssen bestimmen, wann und wieviel all diese Geräte und „Services“ über uns wissen.

Kängurus bleiben auch in einer digitalisierten Welt unberechenbar

„SmartDevices“ und „Services“ stellen einen Weg in die Zukunft dar. Autonome Systeme, Roboter und Drohnen einen anderen. Wie können wir diese Möglichkeiten managen? Was bleibt vorhersagbar, was nicht? Ein hüpfendes Känguru zum Beispiel bleibt in seinem Verhalten unberechenbar und könnte jederzeit mit einem selbstfahrenden Auto kollidieren. Wen müssen wir zukünftig vor wem schützen? Wenn wir uns unsere Welt mit Robotern und autonomen Systemen teilen, muss die Frage der Sicherheit weiterhin an erster Stelle stehen.

Gerade wenn wir uns vor Augen führen, wieviel wir in einer digitalen Welt von uns preisgeben. Es geht nicht mehr länger darum, ein Gerät mit einem einfachen Passwort zu schützen. Eine Antivirensoftware reicht nicht mehr. „Passwort“ ist immer noch das populärste Passwort unseres Planeten und im Zusammenhang mit dem Internet der Dinge liegt es nahe, das auch ein „123456789“ längst nicht mehr ausreicht. „SmartDevices“ und „Services“, Netzwerke und Google wissen eine Menge über uns. Den Ansatz „PalmSecure“ von Fujitsu hält Dr. Genevieve Bell für den richtigen Weg, ihrer Meinung nach müssen wir aber noch einen Schritt weitergehen. Die Expertin hofft nicht, zukünftig in einer Welt leben zu müssen, in der wir niemanden mehr trauen können.

Wir müssen in der Welt, die wir erschaffen auch leben wollen

Viele Faktoren, viele Technologien werden in unserer Zukunft eine Rolle spielen und wir müssen in viele verschiedene Richtungen denken. Zukunft existiert in vielen verschiedenen Varianten nebeneinander. Unsere Zukunft beschreibt Dr. Genevieve Bell als kompliziert, widersprüchlich und komplex – aber erstaunlich. Für Dr. Bell muss unser Fokus auf dem Menschen – auf der „Human Centric Innovation“ – liegen. Wir müssen mit der Technologie eine Welt erschaffen, in der wir auch leben wollen und wir müssen auf sie aufpassen. Für Dr. Bell hat der Prozess längst begonnen. Wir sind die Architekten unserer Zukunft und es liegt in unserer Hand, sie zu gestalten. In der Hand des Menschen.


*Als erfolgreiche Expertin vermittelt Frau Dr. Bell zwischen Kultur und Technologie und nimmt regelmäßig als Sprecherin und Diskussionsteilnehmerin auf weltweiten Technologiekonferenzen teil. Im Jahr 2010 nannte das Wirtschaftsmagazin Fast Company Frau Dr. Bell einen der „100 kreativsten Köpfe in der Business-Welt“. Dr. Bell besitzt außerdem mehrere Patente für Innovationen im Bereich der Unterhaltungselektronik.

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